Die Milchsäure macht's

Bei dem Wort „Polymilchsäure“ drängen sich dem ein oder anderen von uns vielleicht spontan Bilder von sauer gewordener Milch und ausgeflocktem Joghurt auf. Tatsächlich ist der Begriff jedoch irreführend, denn es handelt sich dabei um fermentierte Pflanzenstärke – und eine vielversprechende Alternative zu herkömmlich produziertem Plastik. Kunststoff aus Pflanzenfasern: diese Vorstellung mutet zunächst etwas utopisch an. Tatsächlich wurde das entsprechende Herstellungsverfahren aber schon in den 1930er Jahren entwickelt, weshalb es mittlerweile eine Vielzahl an marktreifen Produkten aus dem biologisch abbaubaren „Plastik“ (PLA)  gibt.

Es verhält sich in seinen Eigenschaften ähnlich wie konventionelles Plastik (feuchtigkeits- und fettbeständig, lebensmittelecht, transparent und bedruckbar) und lässt sich auch nahezu so verarbeiten. Ein Unterschied zu herkömmlichen Kunststoffen besteht jedoch darin, dass PLA nach bisherigem Forschungsstand nur bis etwa 50°C hitzebeständig ist.(1) Somit ist es als Packungsmaterial vor allem für die kurzfristige Verpackung und Lagerung von Lebensmitteln geeignet. Dafür bestechen die Polymilchsäuren durch eine Vielzahl anderer Qualitäten – aufgrund ihres pflanzlichen Ursprungs sondern sie keine Giftstoffe ab und können sogar vom menschlichen Körper abgebaut werden. Dies öffnet ein weites Einsatzfeld in der Medizin, wo PLA bereits seit Jahren als Material für Nahtfäden oder Schrauben zur Korrektur von Brüchen eingesetzt wird. Darüber hinaus ist Biokunststoff aufgrund der natürlichen Inhaltstoffe bei seiner Zersetzung klimaneutral und verursacht bereits im Herstellungsprozess bis zu 90% weniger CO2 als PET.(2) Zurzeit nimmt der Einsatz von PLA besonders in der Event-Gastronomie zu: als Material für Einweg-Geschirr hilft es, die Mengen an „klassischen“ Plastikabfällen zu reduzieren. Ähnliche Konzepte basieren auf der Verwendung von Palmblättern oder Zuckerrohrfasern als Rohstoff für biologisch abbaubares Geschirr. Dennoch sollten wir uns an dieser Stelle kurz vor Augen halten, dass diese Artikel – obgleich sie klimaneutral entsorgt werden können – nur zum einmaligen Gebrauch vorgesehen sind. Das Bewusstsein für einen nachhaltigen Umgang mit Produkten wird somit nur bedingt angesprochen.

Etwas anders verhält es sich da mit pflanzbaren Verpackungen aus Saatenpapier. Hierbei werden Pflanzensamen in Recyclingpapier eingearbeitet, so dass die Packung – etwa ein Müslikarton oder ein Pappbecher – nach dem Entleeren eingepflanzt und gegossen werden kann, bis eine Blume bzw. Gemüsepflanze daraus wächst. So können wir unseren Abfall nicht nur selber auf dem Balkon recyceln, sondern haben sogar noch Grund zur Freude, wenn das Lieblingsmüsli mal wieder leer ist. Selbstverständlich gilt nach wie vor das Sprichwort

„Die cleverste Verpackung ist die, die gar nicht erst entsteht“.

Doch ebenso gilt, dass weder der Umwelt noch uns selbst damit gedient ist, wenn wir bei jedem Einkauf ein schlechtes Gewissen haben. Schließlich ist es heutzutage nahezu unmöglich, komplett auf Verpackungen zu verzichten. Daher können wir nachhaltigeren Konsum am erfolgreichsten erzielen, wenn von mehreren Seiten die nötigen Voraussetzungen geschaffen werden. Wenn die vorhandenen Alternativen weiter erforscht und auf dem Markt etabliert werden – und wenn ich als Kunde sie nutze. Gibt es den Pfeffer statt im Plastiktütchen auch in Maisstärkefolie verpackt? Kaufe ich für die nächste Party gezielt Trinkhalme aus Papier – oder verzichte ich sogar ganz darauf?

Wenn wir unsere Einkaufsentscheidungen bewusster treffen, werden wir auch kein schlechtes Gewissen haben, falls wir uns mal aktiv für den Kauf eines aufwändig verpackten Produkts entschließen. Insbesondere dann, wenn aus dieser Verpackung noch ein paar hübsche Blumen sprießen.

 

Schau doch auch mal hier...

Pflanzbare und essbare Verpackungsmaterialien - Artikel der Wirtschaftswoche

PLA - Wie nachhaltig ist der Biokunststoff wirklich? (lilligreen.de)

 

(1) „Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen – Ein Vergleich“, Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel

(2) Infografik der Firma SelfEco


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